Zum Inhalt springen

Tourismusverband Großarltal

+43 6414 281info@grossarltal.info

Schön- und Schiachperchten in Großarl

Ursprung, Bedeutung und lebendige Tradition

Christiane Pirnbacher

von Christiane Pirnbacher

07. Januar 2026

Traditionen

Dass die Einheimischen des Großarltales tief mit Tradition und Brauchtum verwurzelt sind, ist vielen bekannt. Umso besser passt es, dass sich eine Gruppe von Großarlern entschlossen hat, das alte Perchtenbrauchtum wieder aufleben zu lassen.

Nach zahlreichen Recherchen in Landesarchiven, Chroniken, Zeitungsberichten, Internetplattformen und mündlichen Überlieferungen wurden sie fündig. Daraus geht hervor, dass die Perchten um 1846 erstmals in Großarl erschienen sind. In den folgenden Jahrzehnten finden sich beinahe jährlich Berichte über die Perchten, bis 1911 die letzte Aufzeichnung entdeckt wurde. Danach verschwand der Brauch für lange Zeit – doch nicht für immer. Nach einer langen Pause wird das Perchtenbrauchtum wieder belebt.

Perchtenverein Großarl

Gegründet wurde der Perchtenverein Großarl im Jahr 2020 mit einem klaren Ziel: das traditionelle Perchtenbrauchtum so authentisch wie möglich zu bewahren. Deshalb ziehen die Perchten – wie vor hunderten von Jahren – ausschließlich am Thomastag von Hof zu Hof. Es gibt keine großen Umzüge, vielmehr haben Einheimische und Gäste bei den einzelnen Bauernhöfen die Möglichkeit, den Brauch mitzuerleben.

Im Jahr 2021 zogen die Perchten dann erstmals wieder von Hof zu Hof. Ziel ist es, im Laufe der Jahre allen Bauernhöfen in Großarl zu besuchen. Da es in Großarl sehr viele Höfe gibt, sind die Perchten jedes Jahr in einem anderen Ortsteil unterwegs. So kommt jeder Bauernhof etwa alle zehn Jahre in den besonderen Genuss eines Perchtenbesuchs.

Um alte Traditionen zu bewahren, sind im Verein ausschließlich Männer unter den Masken und Kostümen. Denn auch früher zogen nur die Knechte als Perchten verkleidet von Hof zu Hof um „An Fried, an Reim & an Gsund“ zu wünschen und sicherten sich damit eine Verpflegung.

Die Gewänder und Kostüme wurden zum Teil selbst gemacht. Die originalen Überröcke der Schönperchten Damen wurden von Bäuerinnen aus dem Großarltal gespendet. Auch Schiachperchten Masken, die zum Teil bis zu 80 Jahre alt sind, wurden von Großarlern gespendet oder geliehen. Die neu geschnitzten Masken wurden von Rupert Kreuzer „Astei“ in mühevoller Handarbeit geschnitzt und von Gerhard Seer „Brettei“ mit viel Liebe zum Detail bemalt.

Fast vierzig Mitglieder zählt der Perchtenverein inzwischen. Sie alle haben ihre Wurzeln in Großarl und sind zwischen 18 und 60 Jahre alt. Die Figuren, die in am Thomastag unterwegs sind, finden sich zum Großteil bereits in alten Überlieferungen – manche wurden neu ergänzt, immer passend zur Geschichte und zum Leben im Großarltal. Die Anzahl der Personen beim Umzug ist immer eine gerade Zahl, da es sonst Unglück bringt soll.

Gruppenfoto aus dem Jahr 2021 vom Perchtenverein Großarl mit allen Figuren mit Blick auf den Ort Großarl und die Kirche.

Die Figuren des Perchtenzugs

Jede Gestalt des vom Perchtenverein Großarl hat eine besondere Bedeutung und Aufgabe. Es gibt eine eigene Reihenfolge und zum Teil spezielle Sprüche. So sieht der Zug aus:

Skiwasser mit und ohne Alkohol
Hanswurst

Den Perchtenzug führt Hanswurst an. Er geht voraus, kündigt mit dem Schnalzen der Peitsche die Aufführung der Perchten an und sorgt dafür, dass genügend Platz vorhanden ist und der Perchtenlauf geordnet ablaufen kann.

Schiachperchten

Direkt darauf folgen die Schiachperchten. Mit ihren lauten Glocken und Schellen vertreiben sie das Böse. Ihre schaurigen Masken, Tierfelle und Hörner sollen böse Geister des Winters und das alte Jahr symbolisch austreiben. Ein Rutenhieb von ihnen soll Fruchtbarkeit bringen. Das laute Treiben dient zugleich der Reinigung vor dem neuen Jahr. Mitten darunter finden sich auch die Hexen, die Unfug treiben und Leben in den Perchtenzug bringen. Mit ihren Besen kehren sie das Böse des vergangenen Jahres weg.

Skiwasser mit und ohne Alkohol
Putzwaul

Der Putzwaul ist eine Sagengestalt, die im ganzen Großarltal bekannt ist. Zwar weiß niemand genau, wie er wirklich aussieht, doch jeder kennt Erzählungen und Geschichten über ihn. Früher wurde den Kindern erzählt, sie sollten bei Einbruch der Dunkelheit nach Hause kommen – denn sonst würde sie der Putzwaul holen.

Skiwasser mit und ohne Alkohol
Kupfergeist

Eine ganz besondere Figur, die es nur im Großarltal gibt, ist der Kupfergeist. Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert wurde im Großarltal Kupfer abgebaut. Aus dieser Zeit stammen auch die Sagen der Bergknappen, die von einem geheimnisvollen Kobold erzählten, den sie den Kupfergeist nannten. Er soll über das Kupfer gewacht und die Bergleute mit dem Spruch: „Fahr nit ei(n), kann nit sei(n), bleist ewig drei(n)!“ gewarnt haben, um sein Kupfer zu schützen. Derselbe Spruch ist auch heute noch am Thomastag vom Kupfergeist zu hören.

Skiwasser mit und ohne Alkohol
Sündenbock

Der Sündenbock übernimmt im Brauchtum eine besondere Aufgabe: er nimmt den Bauersleuten sinnbildlich ihre Sünden, Sorgen und Plagen ab und räuchert rund ums Haus. Dadurch wird das Alte und Belastende vertrieben. Das Leben soll für die Menschen im neuen Jahr leichter werden – gereinigt und mit einem Neuanfang.

Skiwasser mit und ohne Alkohol
Tod

Auch der Tod darf beim Perchtenumzug nicht fehlen. Er steht für die Vergänglichkeit und den natürlichen Lauf des Lebens. Als Teil des Brauchs erinnert er daran, dass der Tod zum Leben dazugehört. Gleichzeitig wünscht er den Bauersleuten viele gesunde Jahre und begleitet sie mit guten Absichten ins neue Jahr.

Frau Perchta

Den Übergang von den Schiach- zu den Schönperchten im Perchtenzug bildet die Perchta, auch Frau Perchta genannt. Sie vereint Gut und Böse in einer Figur und zeigt sich zweigesichtig: auf der einen Seite mit einem freundlichen Frauengesicht, auf der anderen mit einem furchterregenden Gesicht eines Teufels. In ihrer Hand hält sie einen Spiegel, der den Menschen vor Augen führen soll, dass in jedem sowohl Gutes als auch Böses steckt. Ihr Wunsch ist es, dass das Gute mit ins neue Jahr genommen wird und das Böse draußen vor der Tür bleibt.

Schönperchten

Die Schönperchten werden vom Hauptmann angeführt. Er hält die Ansprache, gibt den anderen Schönperchten die Anweisungen und wünscht den Bauersleuten „An Fried, an Reim & an Gsund“ (Frieden, Glück und Gesundheit). Die Schönperchten stehen dabei sinnbildlich für das Gute: Licht, Segen, Fruchtbarkeit und Wohlstand für das kommende Jahr.

Gleich nach ihm marschieren die Musikanten, die den Perchtenzug musikalisch begleiten und zum Tanz aufspielen. Zu den Schönperchten gehören fünf Tafelträger, die gemeinsam mit den Damen in den traditionellen Überröcken (Männer in Frauentracht) gehen. Die kunstvollen Kronen und Tafeln sind sichtbare Zeichen dieser segensreichen Rolle und der regionalen Identität.

Bei den Bauersleuten angekommen spielen die Musikanten zum Tanz auf und die Schönperchten tanzen dazu. Der Tanz ist dabei nicht nur Unterhaltung, sondern Teil des Brauchs: Er gehört zur festlichen Segenshandlung und zum rituellen Ablauf.

Die Tafelperchten haben besondere Kronen auf, die jeweils eine eigene Bedeutung haben. So steht die Hubertuskrone für die gesamte Jägerschaft und wird zu Ehren des hl. Hubertus getragen. Die Erntekrone soll Zeichen für ein gutes Erntejahr sein. Eine Krone zeigt das Großarler Wappen mit der Erle. Die Erle zeigt die große Bedeutung der Holzindustrie des Tales. Weiteres stellen die Wurzeln der Erle die Bodenverbundenheit der Talbewohner und die Blätter den Kinderreichtum Großarls dar. Die Handwerkskrone steht für den Schutz für alle Handwerker und Handwerksbetriebe. Eine weitere Krone zeigt die vier Jahreszeiten der Bauern (Frühling – Aussaat, Sommer – Heuernte, Herbst – Erntezeit, Winter – Stallarbeit, Instandsetzung). Die Tafelperchten erweisen den Bauern ihre Referenz, indem sie sich verbeugen.

Skiwasser mit und ohne Alkohol
Glückssau

Die Glückssau ist eine klassische Glücksfigur im Perchtenzug. Das Schwein gilt seit jeher als Zeichen für Wohlstand und „Schwein haben“ steht sprichwörtlich für Glück. Mit ihrem Spruch wünscht die Glückssau den Bauersleuten ein gutes neues Jahr – mit genug zum Leben, Glück und Segen für Hof und Familie.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Der Hahn wünscht den Bauersleuten mit einem Ei Glück für das neue Jahr

Hahn

Der Hahn soll die Hühner und das übrige Geflügel am Hof beschützen. Mit seinem Krähen steht er für Wachsamkeit und den Beginn eines neuen Tages. Als Zeichen für Fruchtbarkeit und neu entstehendes Leben übergibt er den Bauersleuten ein Ei und wünscht ihnen damit Glück für das neue Jahr.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Die Habergoaß wird vom Goaßtreiber in zaum gehalten.

Habergoaß

Die fast vier Meter hohe Habergoaß ist ein mürrisches und ungestümes Wesen, das vom Goaßtreiber in Zaum gehalten wird – eine Aufgabe, die ihm nicht leichtfällt. Mehr über die Habergoaß und ihre Bedeutung erfahrt ihr in einem eigenen Blogbeitrag.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Der Umträger hat in seinem Rucksack vieles zum Verkaufen.

Umträger

Werkzeug und vieles mehr trägt der Umträger in seinem Rucksack. Damit wandert er von Hof zu Hof, um seine Waren zu verkaufen. Neben Werkzeug gehören auch Alltagsgegenstände wie Kämme, Mausefallen oder Strümpfe dazu – Dinge, die man am Hof immer gut gebrauchen konnte.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Der Zöllner vom Perchtenverein Großarl nimmt freiwillige Spenden entgegen.

Zöllner

Die Alte Wacht wurde früher als Mautstelle an der Gemeindegrenze zwischen St. Johann im Pongau und Großarl errichtet. Niemand konnte das Tal verlassen oder betreten, ohne dort vorbeizukommen – so sollte Schmuggel verhindert werden. Aus dieser Geschichte heraus entstand die Figur des Zöllners. Heute nimmt er freiwillige Spenden entgegen, die dem Erhalt des Perchtenvereins sowie Familien im Großarltal zugutekommen, die vom Schicksal getroffen wurden und Unterstützung benötigen.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Der Kaminkehrer beim Perchtenverein Großarl soll Glück für das neue Jahr bringen.

Kaminkehrer

Der Kaminkehrer darf als Glücksbringer beim Perchtenzug nicht fehlen. In Großarl gibt es dabei etwas Besonderes: Der Kaminkehrer ist nicht nur als solcher verkleidet, sondern auch tatsächlich Kaminkehrer aus dem Großarltal. Mit seinen rußigen Händen streicht er den Menschen ins Gesicht – ein alter Brauch, der Glück und Schutz für das neue Jahr bringen soll.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Als Spenderin der Fruchtbar steht die Gutfrau beim Perchtenverein Großarl.

Gutfrau

Die Gutfrau gilt als Spenderin der Fruchtbarkeit. Sie trägt eine Puppe bei sich, die sie den Frauen zuwirft. Wer die Puppe fängt, so sagt man nach alten Überlieferungen, darf sich auf ein fruchtbares Jahr freuen.

Skiwasser mit und ohne Alkohol

Der Nachtwächter sorgt in Großarl für Ruhe und Ordnung.

Nachtwächter

Den Abschluss des Perchtenzugs bildet der Nachtwächter. Er steht für Ruhe, Sicherheit und Ordnung im Tal. Nach Überlieferungen gab es in Großarl bis in die 1970er-Jahre einen Nachtwächter, der abends durch den Ort ging und darauf achtete, dass Laternen und Lichter gelöscht wurden. Mit seinem Spruch erinnert er an diese Aufgabe und wünscht dem Tal eine ruhige und sichere Nacht

Der Perchtenlauf im Großarltal ist ein lebendiger Brauch mit tiefer Verwurzelung im Tal. Er steht für Gemeinschaft, Tradition und den Übergang in ein neues Jahr. Die aktuellen Termine und Stationen des Perchtenumzugs ergänzen wir jedes Jahr im Anschluss.

Gruppenfoto vom Perchtenverein Großarl in winterlicher Landschaft vor dem Denkmalhof Kösslerhäusl.
Perchtenverein Großarl
00:01:46
Seit 2021 zieht der Perchtenverein Großarl jedes Jahr am 21. Dezember (Thomastag) mit den verschiedenen Figuren, Schön- und Schiachperchten in Großarl von Hof zu Hof.

Kommentar schreiben

Ich akzeptiere die Datenschutzbestimmungen.

Österreich
Ski Amadé
Salzburger Land
Nationalpark Hohe Tauern