Ende einer Legende?
Keeskogel im Großarltal
01. September 2026
Mit dem Schmelzen des „ewigen Eises“ verliert der Begriff „Ewigkeit“ ein wenig seiner unverrückbaren Aussagekraft.
Mit Respekt berichten wir hier im Großarltal, besonders im Bergsteigerdorf® Hüttschlag, immer wieder mal über unsere Touren auf den Keeskogel. Mit seinen 2.884 Metern ist er der höchste Berg im Großarltal und geprägt von seinem nordseitigen Gletscher.
Diese Aufnahme zeigt den Keeskogel am 5. August 2019 vom Hierzeck aus.

Und genau dieser Gletscher schwindet Jahr für Jahr. In letzter Zeit ist dieser Schwund sehr deutlich erkennbar und schreitet schneller voran, als uns lieb ist. Möglicherweise sogar so rasant, dass er heuer noch komplett verschwindet?!

Hier eine Aufnahme vom 1. August 2017. Auch da ist er schon wesentlich kleiner, als ich ihn aus meiner Kindheit noch in Erinnerung habe. Aber immerhin ist noch ein ausgeprägtes, weißes Gletscherfeld zu sehen, von dessen oberem Rand man noch gut den darüberliegenden Grat erreichen konnte.

Anders in diesem Jahr, wie auf dieser Aufnahme vom 15. August zu sehen ist. Hier sieht man das kleine verbleibende Gletscherfeld am Keeskogel, 2.884 m, und dahinter den Ankogel.
Der Gletscher ist auf ein Minimum geschrumpft. Kein Schnee mehr auf dem „ewigen Eis“, der das Sonnenlicht reflektieren könnte. Stattdessen pures, dunkles, von herabfallenden Steinen und losem Geröll bedecktes Eis, das so völlig der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Darüber bröckelnder Fels.
In einem Beitrag des ORF-Salzburg in „Salzburg heute“ vor ca. 2 Wochen wurde berichtet, dass der Gletscher am Kitzsteinhorn bei den warmen Augusttemperaturen dieses Jahres in der Dicke täglich 10 cm an Masse verliert. Überträgt man diese Vorstellung auf unseren „Kees“, wie wir Einheimischen ihn liebevoll nennen, können wir die Tage zählen, bis er gänzlich verschwunden ist. „Kees“ ist übrigens die lokale Bezeichnung in unserem Teil der Alpen für das Wort „Gletscher“. Bedenkt man, dass die Nullgradgrenze heuer tagelang sogar über 4.000 Metern gelegen ist und es selbst auf 3.500 Metern in der Nacht lange nicht gefroren hat, versteht man, warum diese Entwicklung so schnell fortschreitet. Erschwerend hinzu kommt, dass es heuer im Winter extrem wenig Niederschlag gab und somit die schützende Schneedecke im Frühjahr schon bald abgeschmolzen war.

Hier sieht man den Keeskogel (2.884 m), links dahinter die Hochalmspitze und rechts den Ankogel.
Aufgrund des Abschmelzens des Gletschers und damit verbunden dem Auftauen des Permafrostbodens sind im unmittelbaren Nahbereich des Gletschers aktuell täglich mehrmals kleinere und größere herabstürzende Felsbrocken zu beobachten oder zumindest zu hören. Unser Appell lautet deshalb, derzeit von einer Besteigung des Keeskogels über die direkte Nordroute jedenfalls Abstand zu nehmen. Zu risikoreich. Zu gefährlich.
Die Berge werden ewig bestehen und uns alle überdauern, doch sie werden ihr Gesicht verändern. Der Begriff vom „ewigen Eis“ ist mit dem Abschmelzen der Gletscher stark ins Wanken geraten und mahnt uns: Nichts währt ewig! Vieles ist vergänglich. Wie das Aufblühen der Natur im Frühling, der letzte Sonnenstrahl an einem lauen Sommerabend, die bunten Blätter im Herbst … Und bald wohl auch der Gletscher am Keeskogel. Deshalb gilt es, besondere Glücksmomente bewusst zu erleben und die Natur unserer Berge mit offenen Augen und wachsamem Blick zu genießen.

Mein besonderer Glücksmoment: Sonnenaufgang an den Lienlacken unterhalb des Keeskogel am 15. August 2026.



