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Mein Tag auf der Alm

Der Almsommer im Großarltal zeigt sich gerade von seiner besten Seite. Das Wetter ist traumhaft und die Temperaturen perfekt für schöne Wanderungen. Bei uns im Tal der Almen, sind natürlich vor allem die Almhütten beliebte Ausflugsziele. Was vor dem Aufsperren alles zu tun ist, haben wir schon gelesen. Jetzt gibt es aber einen kleinen Einblick, was den ganzen Tag auf der Alm passiert. Diese Infos gibt es aber nicht aus der Sicht eines Wanderers. Wir wechseln die Perspektive und lassen Rosi die Kuh von ihrem Tag auf der Alm erzählen.


Rosi stellt sich vor

Grias di! Ich bin Rosi die Kuh und ich nehme dich heute einen Tag lang mit auf die Alm. Der Morgen war heute einfach traumhaft! Der schönste Moment ist, wenn ich im duftenden Gras liege, die Vögel zu zwitschern beginnen und der erste Sonnenstrahl hinter dem Berg hervorschaut. Da möchte ich dann am liebsten einfach liegenbleiben und genießen. Aber so einfach ist das nicht. Denn ich habe jeden Tag Einiges zu tun.
Also los geht’s!


Melken

Mit meinen Freundinnen Traudi und Berta und allen anderen Kühen mache ich mich gleich in der Früh auf den Weg zur Almhütte. Vor dem Tret (so wird der Stall auf der Alm genannt) warten wir dann kurz, bis der Senner uns die Tür aufmacht. Dann geht jede auf ihren Platz. Da werden wir alle nacheinander gemolken. Die Milch kommt dann in eine Zentrifuge. Dort wird die Magermilch vom Rahm getrennt. Aus der Magermilch wird der Sauerkäse gemacht, darum ist da fast kein Fett enthalten. Viele Leute essen den Sauerkäse darum mit ganz viel Butter.


Apropos Butter

Von der Milch zur Butter

Die Butter wird aus dem Rahm von meiner Milch gemacht. Weißt du wie das geht? Dafür wird ganz viel Rahm von uns allen in einer großen Milchkanne gesammelt. Dieser ganze Rahm kommt dann in ein Butterfass – das wird auch Rührkübel genannt. Das Butterfass muss dann gedreht werden. Früher musste das mit der Hand gemacht werden, oder mit einem Wasserrad. Heute geht das mit Strom. Denn es muss wirklich ziemlich lange gedreht werden, bis dann endlich Butter entsteht. Weißt du, wie viel Milch man braucht, damit 1 kg Butter entsteht? Man braucht 22,5 kg Milch dafür – das ist wirklich viel!

Im Butterfass sind jetzt ein großer Butterklumpen und die restliche Milch. Das ist die Buttermilch, die du vielleicht kennst. Hier auf der Alm nennen wir sie „Riamilch“ – also Rührmilch. Diese Milch schmeckt richtig lecker. Am besten gibt man etwas Marmelade hinein, damit sie ein bisschen süßer ist.

Von der Butter in die Form

Aber jetzt geht es erstmal wieder mit der Butter weiter. Denn die ist ja wie gesagt im Moment noch ein großer Klumpen. Jetzt nimmt man ein bisschen etwas heraus und „klatscht“ das Wasser heraus. Das ist ziemlich laut und ich hab es sogar schonmal bis ins Tret gehört. Nach dem Butterklatschen wird die Butter in ein „Model“, also in eine Butterform gepresst. Die Form ist aus Holz, in das wunderschöne Motive wie Blumen oder Tiere geschnitzt wurden. Dann muss das Butterstück nur noch raus aus der Form und dann kann es schon rauf auf die Brettljause. Ist dir schonmal aufgefallen, dass die Butter auf der Alm eher gelb als weiß ist? Das ist, weil wir so viel Zeit auf der Weide verbringen dürfen.

Raus auf die Weide

Nach dem Melken geht es für mich und meine Mädels nämlich gleich wieder raus ins frische Grün. Hier auf der Alm wachsen besonders viele gute Gräser und Kräuter. Die schmecken einfach soo gut! Aber nicht nur das! In dem frischen grünen Gras ist auch sehr viel Beta Carotin enthalten. Wenn wir das Gras genüsslich fressen kommt das Beta Carotin in die Milch und dadurch wird die Almbutter ihre gelbe Farbe.

Leckeres Gras, strahlender Sonnenschein und ganz viel frische Bergluft – das lässt mein Kuhherz höherschlagen. Darum wundert es mich auch nicht, dass du und viele andere Wanderer uns so gerne auf der Alm besuchen.

Herrliche Almbutter, gekühlt in frischem, kaltem Quellwasser
Herrliche Almbutter, gekühlt in frischem, kaltem Quellwasser

Wir Kühe und die Wanderer

Wir freuen uns immer riesig, wenn Wanderer zu uns auf die Alm kommen. Ich bin dann immer ziemlich neugierig und schaue ganz genau, wer den leckeren Käse aus meiner Milch bald essen darf. Aber manchmal sind die Wanderer schon ein bisschen anstrengend bei ihrer Almwanderung. Einige möchten uns oder die Kälbchen streicheln oder Fotos von uns machen. Dabei wollen wir doch eigentlich nur in Ruhe schlafen, fressen oder einfach entspannen. Einige Wanderer sind auch sehr laut. Da erschrecke ich oft, wenn jemand laut schreiend um die Ecke kommt. Ein paar haben auch Angst vor uns und trauen sich nicht vorbei. Am besten haltet ihr einfach ein bisschen Abstand, damit wir wissen, dass wir uns nicht vor euch fürchten müssen. Mein Vorschlag wäre also: ihr lasst uns in Ruhe und haltet Abstand – dann machen wir das auch 👍🏻. Klingt doch gar nicht so schwer oder? Hier gibt es noch mehr Tipps, damit wir gut miteinander auskommen:


Ein ganzer Tag voll Genuss

Hier auf der Alm ist es wie im Urlaub für uns. Manchmal gehe ich eine kleine Runde mit Traudi und Berta spazieren, schlafe ein bisschen oder liege einfach im Gras. Aber die meiste Zeit mache ich eines: ich fresse. Nach dem Frühstück kommt der Vormittagssnack, danach das Mittagessen und am Nachmittag kann es auch gerne mehr als nur ein Snack sein. Bei dem frischen, saftigen Gras kann ich einfach nicht widerstehen. Wenn ich zwischendurch entspanne, siehst du vielleicht wie ich kaue. Das nennt man Wiederkäuen. Meine Verdauung sieht nämlich ungefähr so aus:

Ich beiße das Gras nicht ab, sondern reiße es mit der Zunge aus. Dann wird es mit den Zähnen grob zerkleinert und kommt in den Pansen – meinen ersten Magen (ja ich hab mehr davon 😉). Später kommt ein bisschen Nahrungsbrei wieder zurück in den Mund, wo ich dann wiederkaue. Wenn du jetzt denkst das sieht komisch aus – ihr seht genau gleich aus, wenn ihr Kaugummi kaut.

Nach dem erneuten Kauen kommt das Gras wieder in den Netzmagen, dann in den Blättermagen und dann in den Labmagen. Dann kommen Dünn- & Dickdarm, bis du ganz zum Schluss einen Kuhfladen sehen kannst.


Nach dem Essen ist vor der Arbeit

Bei so viel Genuss könnte man fast vergessen, dass der Almalltag voller Arbeit ist (also für die Sennleute – für uns eher nicht). Am späten Nachmittag werden wir vom Senner von unserer Weide geholt. Es geht wieder rein ins Tret zum Melken. Auch jetzt wird die Milch gleich wieder für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Butter und Käse werden meistens am Abend nicht mehr gemacht. Denn wenn den ganzen Tag über schon viel los war, freuen sich die Sennleute auf einen gemütlichen Hüttenabend. Und wir Kühe freuen uns auch auf einen schönen Abend. So eine laue Sommernacht ist einfach traumhaft. Ich suche mir dann immer ein schönes Plätzchen, von dem ich eine schöne Aussicht habe und den Sternenhimmel gut sehen kann.

Das war er also – mein Tag auf der Alm. Ich hoffe, dir hat es genau so gut gefallen wie mir. Vielleicht sehen wir uns ja mal bei einer Wanderung im Großarltal. Ich würde mich freuen!


Rosis Tipp

Wenn du noch mehr über das Leben und die Arbeit auf der Alm erfahren willst, dann gibt es jetzt ein „kuhles“ neues Stickerheft. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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