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Die schöne, lange Seite des heurigen Winters und wie es früher auch einmal war

Seit 6. November ist bei uns bereits Winter mit einer durchgehend geschlossenen Schneedecke bis ins Tal. Schneesorgen sind einmal kein Thema. Dieser Winter ist außergewöhnlich.

Das war auch Ende der 1940er Jahre einer, hat mir meine Mutter erzählt. Allerdings der Schlimmste den sie jemals erlebte. Ende der 40er (es könnte der Winter 46/47 gewesen sein, muss aber nicht) das war noch eine Zeit wo man bei uns im Tal am Hungertuch nagte, einige Jahrzehnte noch weg vom bescheidenen Wohlstand der uns in der Zwischenzeit auch erreicht hat. Tourismus sei Dank. Nein, er ist nicht das alleinige Mittel zur Erlangung der Glückseligkeit, aber er hat doch für viele von uns eine ordentliche Lebensgrundlage erst möglich gemacht.

Wieder zurück in die 40er Jahre, es könnte aber auch eines in der ersten Hälfe der 50er gewesen sein. Die Leute waren ziemlich arm, geprägt war das Tal hauptsächlich von arbeits- und personalintensiver land- und forstwirtschaftlicher Struktur. Der ungewöhnlichste aller Winter im Leben meiner Mutter begann in ihrer Erinnerung mit einem Gewitter Anfangs September. Das Gewitter ging in einen Schneefall über und das fast unglaubliche: der Winter blieb. Der Herbst war beinhart ausgefallen. Natürlich war die Feldernte noch nicht eingebracht, das „Grumet“ (2. Schnitt) stand noch großteils auf den Feldern. Die „Schwedenreiter“ (temporäre Vorrichtung aus Stangen und Drähten zum Heutrocknen auf den Feldern für Schlechtwetterphasen – siehe Bild im Anschluss an diesen Artikel) waren eingeschneit, wurden ausgegraben und das verschimmelte Heu verschmissen. Damals war auch noch Selbstversorgerzeit, zugekauft musste bei den Bauern nur wenig werden. Wenigstens war die Getreideernte schon vorbei und im „Zima“ (Scheune) gelagert. „Opi“ –  mein Urgroßvater, damals Bauer der Höfe „Egg“ und „Braun“ – hat daraus in der Mühle (am rauschenden Bach) das für die Grundversorgung unentbehrliche Weizen- und Roggenmehl gemahlen. Alles andere war noch auf den Feldern. Wie die Erdäpfel, die unbrauchbar geworden sind. Genauso wie die zur Fütterung der Milchkühe vorgesehenen Zuckerrüben sowie die zum menschlichen Verzehr bestimmten „Rona“ (Rote Rüben) und der „Rati“ (Rettich). „Des vagiss i nerma“ meint meine Mutter während der Erzählung noch immer sichtlich betroffen. Auch die Streu, die auf den Hutweiden gemäht und im Stall Verwendung finden sollte, stand noch draußen.

Die Bauersleute mit ihren Angehörigen sowie ihren zahlreichen Dienstboten brachten sich mehr schlecht als recht über die Runden. Die Milch von den Kühen versiegte mangels ausreichender Fütterung im Laufe des Winters, der Butter folglich auch. Zumindest standen aber 2 Schweine im Stall die halt daran glauben mussten.

Um noch einiges schwieriger war es für das Vieh im Stall. Erstens war es im Stall ziemlich dreckig, da kaum Einstreu verfügbar war. Mit dem Heu – nur das „Vorgras“ (1. Schnitt) gelang es einzubringen – musste extrem gespart werden. Zugefüttert wurde Stroh, einem Abfallprodukt aus der Getreideernte sowie schließlich sogar „Taxach“. Das sind die Äste der Fichten, die während des Winters aus dem Wald beschafft und in gehackter Form dann dem Heu beigemengt wurden. In der Not frisst der Teufel auch Fliegen.

Die Durststrecke ging gefühlsmäßig endlos dahin, das Frühjahr kam dann aber doch früher als in anderen Jahren. Bereits Ende Mai konnte das Vieh auf die Karseggalm aufgetrieben werden. Es war nach Ende des Winters „zaunroggendürr“, also extrem abgemagert. Das Pferd war so vom Fleisch gefallen, dass es mehr einer Geiß als einem Pferd glich. Auf der Weide sind dann noch einige Tiere eingegangen, weil der ausgemergelte Körper den plötzlichen fast Überfluss nicht mehr ausgehalten hat. So schlechte Winter hat es dann nie mehr gegeben meint meine Mutter um dann noch voller Sarkasmus „War eine schöne Zeit“ hinzuzufügen.

Das Leben war hart in den Bergen. Ein bisschen immer noch. Ein Winter sollte auch heute nicht im September beginnen (dann stünden die ohnehin erst gerade begonnen Liftbaustellen im Schnee und der 4. Schnitt auf den Feldern). Abgesehen davon wissen wir uns in der heutigen Zeit mit einem schönen, langen Winter wie wir gerade am aktuellen Beispiel sehen aber einiges anzufangen.

 

Nun war es schwierig aus der damaligen Zeit entsprechendes Bildmaterial aufzutreiben. Wahrscheinlich hat es so ausgeschaut ;-) :

Die schöne, lange Seite des heurigen Winters und wie es früher auch einmal war
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2 Antworten auf Die schöne, lange Seite des heurigen Winters und wie es früher auch einmal war

  • Wir waren das erste mal 1975 in Großarl und ca) 100 mal in Großarl.
    . Zu diesem Zeitpunkt war es in der Entwicklung, mit Schleppliften.
    Die eine sehr gute Kondition vorausgesetzt haben.
    Damals hatte der Winter auch sehr oft alles im Griff.
    Es war eine super Entwicklung bis zur heutigen Zeit.

  • Lieber Sepp,

    ich lese Deine Artikel gerne, weil Du es verstehst, das ganze interessant zu verfassen.
    Etwas möchte ich aber gerne berichtigen.

    Den bescheidenen Wohlstand, von dem Du manchmal schreibst, den hatten wir vor 20 bis 30 Jahren.
    Der überwiegende Prozentsatz der Bevölkerung lebt heute im Überfluss.
    Ist ja auch nicht verwerflich, aber Fakt.

    Grüße in die Heimat

    Schurl

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