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Hinter den Kulissen vom Krampus

Hinter oder unter oder in den Kulissen vom Krampus, naja ist egal. Einfach mittendrin. Zuerst muss ich einfach ein Geheimnis lüften: Die Krampusse sind nicht irgendwelche Kreaturen, die Anfang Dezember zu uns kommen und das ganze restliche Jahr irgendwo verschollen sind. Nein, unter den Masken stecken einheimische Burschen. Obwohl die Männerdomaine vor etlichen Jahren durch eine Frauenpass durchbrochen wurde, befinden wir uns hier schon ziemlich tief im Aufgabenbereich der Männerwelt. Darum habe ich mir Unterstützung von einem Krampus geholt, der aber auf keinen Fall namentlich erwähnt werden darf, dies würde die Anonymität dieses Krampusses stark einschränken.

Also: Es ist gar nicht so einfach. Zum Teil wochenlange Vorbereitungszeiten liegen hinter den Krampussen. Die richtige Loavn (=Krampusmaske) muss gefunden werden, oftmals hat eine Pass ähnliche Masken, damit sie auch als solche erkannt werden. Bei einer Pass handelt es sich in diesem Fall nicht um ein Reisedokument, sondern um einen Nikolaus, ein Waldmändlein, eventuell einen oder me

Ganz ruhig hängt es da, noch wartet es auf Leben - das Krampusfell

Ganz ruhig hängt es da, noch wartet es auf Leben – das Krampusfell

hrere Engel und Krampusse. Nikolaussäcklein werden gemacht, die Ruten gebunden… Bis ein Krampus wirklich als Krampus durchgeht, steckt viel Arbeit dahinter.

Was ist jetzt alles notwendig, damit man als Krampus duchgeht? Fangen wir von unten an:

  • Die richtigen Schuhe. Viele haben extra Krampusschuhe zum Teil mit Fell beklebt. Andere wiederum nehmen einfache, schwarze Schuhe. Ist schon ein Ausscheidungsgrund für mich, außer ich ginge vorher noch schnell Schuhe kaufen, ansonsten würden mich sämtliche Besucher sofort als nicht „eingefleischten“ Krampus erkennen, da ich ganz einfach keine schwarzen Schuhe besitze.
  • Das Fell. Das ist schon wesentlich mehr Aufwand. Entweder kauft man einen fertigen Overall oder einen Zweiteiler, einige machen es aber auch selber. Da wird dann der gute alte Skianzug wieder vom Dachboden geholt und mittels Heißkleber die einzelnen Fellstücke hinaufgeklebt. Spart natürlich einiges an Geld, wenn man so Antikes wiederverwerten kann. Für einen wirklich besonderen Geruch nimmt Krampus ein Hirschfell. Kostenpunkt für ein fertiges Fell ab ca. € 300,00. Nach oben hin sind je nach Sonderwünsche kaum Grenzen gesetzt.
  • Die Glocke. Ganz früher hatten die Krampusse oft Kuh- oder auch kleine Schafglocken, dann Schellen. Jetzt schleppen viele eine „Rumpiglocke“, also eine sehr lange, dumpfe Glocke mit sich. Diese ist wiederum oftmals ein Fabrikat eines Schlossers, also selbstgemacht. Die Glocke wird nicht in den Händen getragen, für sie bracht Krampus
  • einen Gürtel. Nein, für diesen Ausdruck bin ich geschimpft worden. Der Krampus braucht einen „Ream“ (kommt wahrscheinlich von Riemen): schwarz und schwer, den er muss die Rumpiglocke mit etlichen Kilos tragen. Schnürt schon ganz um die Hüfte. Ganz spezielle Krampusse, die im echten Leben den Baggy-Style bevorzugen, tragen die Glocke ziemlich weit unten, damit sie bei jedem Schritt schön in die Kniekehlen schlagen kann. Mein Vorschlag liebe Krampusse wäre: Einfach langsam und behutsam gehen und ja nicht irgendjemanden, naja hauptsächlich mir, nachzulaufen. Ich meine es nur gut mit euch und euren Kniekehlen.
  • In die Hände kommt das (Folter-)Werkzeug: Eine Rute oder einen Kuhschwanz. Wiederum werden die Ruten aus Birkenästen selbst gebunden. Obwohl ich meiner Meinung nach IMMER brav war, sind die meisten Krampusse dann doch anderer Meinung und testeten in den vergangen Jahren ihr Werkzeug stets an mir aus. Danke noch mal dafür. Daher finde ich die Variante von Werkzeug der Unterbergpass vor ein paar Jahren wesentlich charmanter – sie hatten Rosen mit dabei. Wär für alle anderen Krampusse auch eine Überlegung wert. Oder nicht?
  • So. Von Fuß bis Hals sind die
    Krampusmasken der Mitterlingpass

    Krampusmasken der Mitterlingpass

    Krampusse nun eingekleidet. Jetzt fehlt noch das Hauptstück, die „Loavn“ (=Maske):  In Großarl sowie in Hüttschlag gibt es einige renommierte Krampusmasken-Schnitzer, die von besagter Pass, also der Mitterling-Pass, sind Metzger-Masken. Von weit her kommen die Krampusse und kaufen bei uns im Tal die geschnitzen und handbemalten Masken. Da steckt auch eine ganze Menge Arbeit dahinter: Schnitzen, mit Schaumstoff etc. ein bisschen polstern, damit die Maske nicht ganz so fest auf den Kopf drückt, anmalen, das Fell ankleben, Hörner befestigen und das wichtigste ist wohl das Aussuchen. Nicht jeder will die gleiche Maske haben, für die einzelnen Passen soll sie dann doch ähnlich aussehen, länger als eine Krampussaison die gleiche Maske geht bei den meisten auch  nicht. Kostenpunkt je nach Sonderwünsche nach oben hin unbeschränkt, aber mit ca. € 650,00  muss man schon rechnen.
    Durch diese Maske sehen die Krampusse sehr wenig. Um so mehr verwundert es mich, dass sie mich doch immer gefunden haben.

  • Und unterhalb? Das bleibt für uns (leider) ein Geheimnis.

Alles in allem steckt sehr viel Arbeit für ein paar Abende für alle Krampusse dahinter. Nach all dem muss sich der Hl. Nikolaus noch dazu bereit erklären, die bösen Gestalten mitzunehmen. Neben den vielen Handgriffen kann es auch ganz schön kostspielig werden und die Krampusse schleppen mit Ream, Glocke, Fell und Maske einiges mit sich herum. Ganz schön spannend.

Da ich jetzt einige Geheimnisse gelüftet und doch tiefe Einblicke in die Privatsphäre eines Krampusses gegeben habe (und der anonyme Krampus schon auf mich wartet), werde ich es mir noch gut überlegen, ob mich heute Abend die Krampusse am Marktplatz sehen werden (ab 19.30 Uhr ist nämlich der Krampuslauf im Rahmen vom Salzburger Bergadvent) oder ob mich nicht besser zuhause verkrieche (und einsperre).

 

Hinter den Kulissen vom Krampus
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