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Ein neues Dach für unseren Kirchturm

Sie prägt das Ortsbild von Großarl und steht wie ein wachsamer Hirte über dem Ortszentrum unserer Marktgemeinde. Mehrere hundert Jahre ist sie alt, steht aber immer noch da wie ein Fels in der Brandung. Die Rede ist von unserer Pfarrkirche. Erbaut wurde sie in den Jahren 1768 – 1770 und ist den heiligen Ulrich und Martin geweiht.  Nähere Infos dazu hier. Charakteristisch für das Erscheinungsbild ist der Turm mit seiner ausgeprägten Zwiebel. Und genau diese ist etwas in die Jahre gekommen und wird deshalb gerade neu eingedeckt. Pfarrer Mag. Thomas Schwarzenberger hat mir ein wenig über die Geschichte des Turmes berichtet:

Fertiggestellt wurde der heutige und ursprüngliche etwas kleinere Turm im Jahr 1783. Als 1948 die Glocken neu in den Turm kamen, ging das damals Hand in Hand mit einer großen Sanierung des Kirchturms inklusive Neueindeckung. Knapp 20 Jahre später im Jahre 1967 wurde die Kugel und das heutige Kreuz am Turm erneuert. Bei dieser Gelegenheit erfolgte zugleich die letzte Dachsanierung. Nun, knapp 50 Jahre danach – so lange hält ein Lärchenschindeldach in etwa – steht diese nicht ganz ungefährliche Arbeit wieder an.


Die Firma Pondorfer aus Amlach in Osttirol hat den Zuschlag für die Sanierung des Daches bekommen. Sie ist die einzige Firma in Österreich, die Arbeiten in solch schwindelnden Höhen ohne Gerüst, nur mit einfacher Seilsicherung durchführt. Erst wurden die alten, kaputten Schindel demontiert. Zum Teil waren diese noch mit dicken, handgeschmiedeten und laut Auskunft der Dachdecker mindestens 150 Jahre alten Nägeln befestigt. Es ist also gut möglich, dass ein Teil der Schindel noch von der Originaleindeckung her stammt. Mehrere tausend Lärchenschindel werden per Seilaufzug auf den Turm befördert. Keine „normalen“ Lärchenschindel, sondern gebogene, die sich bestmöglich an die runde Form der Turmzwiebel anpassen. In akribischer Kleinarbeit werden sie schließlich fachmännisch verlegt. Heute geschieht das natürlich mit dem Druckluftnagler. Dieser ist aber neben den kleinen Seilaufzügen für Arbeiter und Material auch schon das einzige technische Hilfsmittel der Neuzeit, das die verwegenen Burschen dort oben in schwindelerregenden Höhen verwenden. Hier kann man also getrost von „Handwerkskunst auf höchstem Niveau“ sprechen – und das in doppeltem Sinn.

Aber nicht nur alte Nägel wurden als Kuriosum gefunden, auch andere skurrile Dinge galt es festzustellen. Die Kugel unterhalb des Kreuzes zum Beispiel hatte Einschusslöcher. Nachdem Kreuz und Kugel erst im Jahr 1948 erneuert wurden, können diese also sicher nicht vom Krieg herrühren und sind somit offensichtlich die Folgen jagdlichen Leichtsinns oder unsinniger Rauschaktionen. Beides soll es in unserem Land angeblich geben, ist aber  eigentlich nicht entschuldbar. Sollte also jemand jetzt doch noch späte Reue empfinden, kann er sein Gewissen erleichtern, indem er die Kosten für Sanierung und Neuvergoldung von Kreuz und Kugel – gemeinsam immerhin 2,5 Meter hoch –  auf das Konto der Pfarre überweist. Man kann die Summe aber auch anonym einzahlen oder dem Pfarrer direkt in bar vorbeibringen. So rund 3.000 Euro wären dafür zu berappen. In der Kugel war ein Brief vom damaligen Pfarrer Steffner aus dem Jahr 1967. Der Brief wurde zwar aufgrund der Feuchtigkeit durch die Schusslöcher etwas in Mitleidenschaft gezogen, ist aber noch gut lesbar.

Wer übrigens genau hinschaut, wird feststellen, dass der Zwiebelturm gar nicht rund ist, sondern eigentlich achteckig. Und aus jeder Himmelsrichtung ist einer der Namen Jesus, Maria und Josef bzw. das christlichen Symbole IHS zu lesen (s. dazu das Bild mit Schnee und die Ansicht des Turms in Richtung Süden mit dem Symbol IHS und darunter „RENOVIERT 1948“ – vielen zuvor wahrscheinlich nie aufgefallen). In den Feldern zwischen den Haupt-Himmelsrichtungen ist jeweils eine Sonne oder ein Stern abgebildet. Auch diese Schriften aus mittlerweile verrostetem Stahlblech aus dem Jahr 1948 werden im Rahmen der Sanierung von der Firma Heigl durch neue, kupferne ersetzt.

Die Kosten für die Neueindeckung von rund € 15.000,– werden von der Pfarre Großarl, der Marktgemeinde Großarl und der Erzdiözese Salzburg zu je einem Drittel getragen. Für Kugel und Kreuz wird noch ein Sponsor gesucht. Sponsor wäre übrigens auch eine nette Bezeichnung für jemanden, der nicht als reumütiger „Schütze“ bezeichnet werden will :-). Sofern alles gut vorangeht und die Witterung mitspielt, sollte die Neueindeckung bis Mitte der Woche abgeschlossen sein. Für alle Leute vor Ort bietet sich also die Möglichkeit, bei diesen einzigartigen Arbeiten nochmals direkt zuzusehen. Für alle, die diese Chance nicht wahrnehmen können, habe ich ein paar Impressionen eingefangen. Mich hat´s so beeindruckt, dass ich mich spontan entschlossen habe, diese Zeilen zu schreiben.

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