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Auf der Suche nach der Schneid

Das Wort „Schneid“ hat bei uns mehrere Bedeutungen. Einmal wird die Qualität eines Schneidwerkzeuges (Messer, Schere, Sense …) damit beschrieben. Als Schneid kann aber auch ein schmaler Längsverlauf eines Bergrückens bezeichnet werden. Und mutig sein, sich etwas trauen, heißt ebenfalls Schneid bei uns.

Der Gratverlauf von der Höllwand – dieser sehr markante Berg am westlichen Taleingang mit einer Höhe von 2.287 m – in Richtung Viehhausalm ist durch die einerseits sehr steil abfallenden „Viehhausmahder“ und auf der anderen Seite ins „Igltal“ (hier regiert fast durchwegs der freie Fall) für Berggeher eine besondere Herausforderung. Standfestigkeit und Schwindelfreiheit sind Grundvoraussetzungen. Und die Krönung dieses Bergrückenverlaufs ist eine nur kurze Passage die man „3-Meter-Schneid“ nennt. Hier verschmälert sich der Berg auf einer Länge von 3 Metern auf eine echte Schneid mit einer Breite von nur ein paar Zentimetern. Links und rechts gehts im freien Fall hinunter. Hier braucht man viel Mut, also auch eine Schneid.

Der Bergrückenverlauf der Höllwand - alles kein Spaziergang, aber die 3 Meter Schneid ist dabei die kritischste Passage

Der Bergrückenverlauf der Höllwand – alles kein Spaziergang, aber die 3 Meter Schneid ist dabei die kritischste Passage

Ich hab mich nun unter Ausnutzung der (endlich letzten – ja ab Mitte der Woche soll der Winter kommen) Schönwettertage aufgemacht über die Viehhausalm und den Wetterkreuzsattel zur 3-Meter-Schneid zu gehen. Ich wollte sie einfach einmal beschnuppern, mich mit ihr einmal bekanntmachen, nächstes Jahr gehe ich dann Richtung Höllwand drüber. Kollege Ignaz, der bereits talwärts unterwegs war, äußerte die schmeichelhafte Meinung, dass ich wahrscheinlich aus lauter Furchtlosigkeit drüber gehen könnte, ohne sie wahrzunehmen. Da ist er einem großen Irrtum erlegen. Die 3-Meter-Schneid hat mir zu viel Respekt eingeflößt und ich häng ja so an meinem jungen Leben. Unvorstellbar, dass unsere Wildschützen früher sogar mit einem gewilderten Gamserl am Rücken da einfach drüberspaziert sind. 

Ich glaube ich wende mich besser ab und der Fortpflanzung zu. Nein, nicht meiner eigenen, da ich allein unterwegs bin. Sondern im mir zu Füßen liegenden Kar der Igltalalm geht’s gamsig zu. Es ist nur so von Gämsen übersäet – bei 30 hab ich zu zählen aufgehört. Vater Gams ist momentan sehr mit der Fortpflanzung, also der Brunft, beschäftigt. Ist auch ein tolles Schauspiel, wie da Rivalen vertrieben werden. Zuerst stellt der Bock den Gamsbart auf, dann meckert er. Hilft das alles nicht wird angegriffen. Daraus entstehen rasende Treibjagden mit bis zu 50 km/h und einer Länge von bis zu 2 Kilometern. Sehr sportlich. Und schneidig, schneidig! Weicht der Konkurrent nicht, dann wird mit den Krucken in den Kampf gezogen. Sehr begehrt ist übrigens das winterliche Rückenhaar des Gamsbocks (bis zu 20 cm Haarlänge), aus dem der Gamsbart, ein begehrter Hutschmuck, gebunden wird. Der Gamsbart gilt auch als Zeichen für mutig.

Ein Gamsbart steht mir damit momentan nicht zu. Die 3-Meter-Schneid hat gewonnen. War schön sie kennenzulernen.

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