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Hirter Karl und Sennerin Elisabeth in der guten alten Zeit

Hirter Karl und Sennerin Elisabeth auf der Karsegg-Hochalm im Jahr 1951

Hirter Karl und Sennerin Elisabeth auf der Karsegg-Hochalm im Jahr 1951



Noch ist edelster Spätsommer, Altweibersommer halt wie der Hannes im letzten Blogbeitrag schon berichtet hat. Aber scheinbar schneit’s morgen erneut und die Temperaturen verfallen. Daher bevor’s winterlich wird schnell noch eine Almgeschichte hergerissen. Aber eine ganz besondere Jubiläumsgeschichte, den das eingangs dargestellte Foto ist genau vor 60 Jahren entstanden. Nachbar Karl, noch immer fit wie ein Turnschuh, hat es mir vorbeigebracht. Es zeigt ihn im Jahr 1951 als Hirter auf der Karsegg-Hochalmhütte (verfallen) im sehr jugendlichen Alter von 13 Jahren. Es war früher so, dass die Kinder schon ganz früh zur Arbeit „oabraxt“ (bedeutet so was ähnliches wie schon früh gegen harte Arbeit unempfindlich machen) wurden. Mit 13 wurde er schon als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt.  Mit ihm auf der Alm und hier auf dem Bild ist auch Sennerin Elisabeth (20).

Trotz der Ursprünglichkeit die der Almwirtschaft in unserem Tal erhalten geblieben ist, war es damals auch um einiges anders als in der heutigen Zeit. Wesentlichen Anteil daran hat eine Fliege. Die Dasselfliege, seit einiger Zeit in unseren Breiten Gott sei Dank ausgerottet (und das Ökosystem trotzdem nicht zusammengebrochen, wie gibt’s den sowas?). Diese Fliege hat bei Sonnenschein die Rinder befallen, ihnen äußerst schmerzhafte Stiche zugefügt und unter der Haut der Kühe und Kälber ihre Larven abgelegt. Es entstanden dann große Geschwüre, aus denen später im nächsten Frühjahr Engerlinge schlüpften. Ein Martyrium für das Vieh der Bauern.

Die Folge war, dass das Vieh auf den Almen bei den ersten Sonnenstrahlen fluchtartig den Hütten und Unterständen zurannten („bisna“) um der nur in der Sonne aktiven Fliege zu entkommen. Damit auch Weidezeit blieb wurde daher sehr früh gemolken. Karl musste täglich um 2.00 Uhr aufstehen und zuerst im Almgebiet in der Finsternis die Kühe suchen. Drei Milchkuhherden gingen damals auf der Karsegg-Hochalm mit einem Bewegungsspielraum von weit über 100 Hektar, auf der einen Seite durch die Kitzsteingabel und auf der anderen Seite durch den Penkkopf begrenzt. Da war die Suche der Kühe in der Finsternis schon eine Aufgabe. Licht, also eine Laterne, nahm man auch keine mit, sonst sehen dich die Bösewichte. Es war nämlich verbreiteter Brauch den Kindern Schauergeschichten vorzusetzen. Dann wurde gemolken, klar dass restlos alles auf der Alm Handarbeit war, um die 14 Kühe wieder bald auf die Weide zu bringen damit vor Sonnenaufgang noch ausreichend Weidezeit blieb. Ab und zu kam es auch vor, dass Karl alle Kühe allein melken musste. Immerhin war er ja schon 13.

Almabtrieb auf der Karseggalm vor langer Zeit

Almabtrieb auf der Karseggalm vor langer Zeit

Dann war die ganze Milch zu Käse, Butter, Schotten usw. zu verarbeiten. Das Tret (= der Kuhstall) ist zu putzen. Das alles ist nicht anders als heute. Jede Woche, meist am Samstag, kam Nachschub (etwa Mehl) und mussten die Milchprodukte mit einem Korb ins Tal getragen werden. Aber das „a’sama“ war in der Regel Aufgabe des Bauern.  Der Hirter (Sennerin natürlich auch) war untertags ebenso mit viel Arbeit eingedeckt. Brennholz richten, Zäune (alles Holzzäune) reparieren, das Jungvieh ins Seekar (ein großes in Richtung Wagrain zugeneigtes Kar) hüten, schwendten (Almfreihaltung von Bewuchs), Vieh mit Salz versorgen  usw.

3 Hütten waren auf der Karsegg-Hochalm bewirtschaftet. Das Vieh ging gemeinsam. An jedem Tag musste das Jungvieh unterhalb der Kitzsteingabel auf die flacheren Almgegenden abgetrieben werden. Die drei Hiata haben sich bei dieser am späten Abend auszuführenden Tätigkeit abgetauscht. Durch das Abtreiben wollte man vermeiden, dass das Vieh bei Schlechtwetter abstürzt. Heute macht man das nur bei Schneefall, in der Zwischenzeit hat das Vieh das sichere Stehen nämlich gelernt.

Besuch kam auf der Alm seltenst, Tourismus gab es noch nicht. Und die Einheimischen gingen auch nicht auf die Alm, hatten im Tal hart zu arbeiten um mit ihren Familien überhaupt zu überleben. Nur zwischen den Almen gab es Austausch. Die Almleute vermischten sich schon etwas sozusagen. Das einzige auf der Alm verfügbare alkoholische Getränk war Schnaps. Das genügte auch, wenn ohnehin kaum jemand vorbeikam. Außer andere Alpsleute, Jäger und ab und zu Wilderer. Und getrunken wurde dann aus einem „Budeiglas“, das durch die Runde ging.

Ja, so war sie die gute alte Zeit.

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