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Ausg’schamte Hund gegen o’drahte Gauner

Schnee. Am Berg schon wieder Schnee. Spätestens jetzt kommt das Vieh unserer Bauern von der Weide in den Stall, wo es bis in den Mai mit unserem besten Gebirgsheu versorgt wird. Nun wechseln aber die Stücke die man zu viel hat auch noch den Besitzer. Vornehmlich passiert das heutzutage über die Versteigerungshalle des Rinderzuchtverbandes in Maishofen. Früher’s Zeiten wurden die Tiere an die Viehhändler verkauft, derer es heute nicht mehr sehr viele gibt. Und dieser Viehhandel erfolgte über ein bemerkenswertes sehr theatralisches Ritual, das Arno Müller in einer faszinierenden Geschichte im Bauernkalender 2010 wie folgt wiedergegeben hat.

„Habt’s was zum Hergeben?“ – Mit dieser Frage pflegten Viehhändler nach dem üblichen „Griaß´enk! Wia geht’s euwei?“ schnell zur Sache zu kommen; wie in einer Schachpartie war damit der Eröffnungszug getan. Der Bauer mimte Gleichgültigkeit, obwohl er diesen Besuch in Wirklichkeit schon lange herbeigesehnt hatte. „Was zum Hergeben? Na, lass mich nachdenken. Du kommst mir eigentlich zu bald! Aber meinetwegen, weil’st schon da bist, schau’n ma halt raus in’ Stall.“ War man dort angelangt und wies der Bauer auf eine Kuh, folgte mit Sicherheit ein Schreckensschrei des Händlers, etwa so: „Ja, bist du ganz narrisch? Kuah sagst du zu dera Goaß (Geiß)? Dös is ja a Notschlachtung, so was kann i höchstens im Finstern verkaufen!“

Zwei erprobte alte Viehhändler

Der Bauer, auch nicht auf den Mund gefallen, schoss zurück: „Wia sagst du zu meiner schön’ Kuah? Goaß? Du hast wohl Hühneraugen im G’sicht!“ In dieser Tonart ging es weiter, Schlag auf Schlag. Der Bauer lobte sein Vieh in höchsten Tönen, der Händler machte es herunter. Schimpfworte folgen hin und her: „Hund, ausg’schamter, glaubst, i bin ganz deppert?“ – „Arm toan mecht er a no, der o’drahte Gauner …“  Nach diesem Einleitungsgeplänkel eröffnete der Händler die nächste, die heiße Phase: „Du, i hab mei Zeit nit g’stoin (gestohlen) und du a nit, red’ ma vernünftig. Wieviel möch’st für die Kuah?“ Wurde dann ein Preis genannt, folgte unweigerlich ein Zornausbruch: „Sag doch glei, wenn’st mi umbringen willst, du …“ Es konnte aber auch vorkommen, dass der Händler wortlos den Hut nahm und das Haus verließ – um meist wieder zurückgerufen zu werden oder freiwillig umzukehren.

Noch einmal setzte das Feilschen ein. War man sich bis auf eine Differenz von 100 Schilling nahe, ging die Streiterei so lange weiter, bis auch der letzte Fünfziger noch geteilt wurde. Schließlich kam dann, als feierlicher Abschluss, der Handschlag. Damit galt der Kaufvertrag als besiegelt, die Kuh gehört dem Händler. Dieser öffnete nun seinen Geldbeutel und gab der Bäuerin sowie der Stalldirn den „Leitkauf“ (ein Trinkgeld), der Bauer erhielt als Anzahlung das „Drangeld“. Meist wurde der Handel noch mit einem Schnapserl begossen, war doch gerade auf einsamen Höfen der Besuch eines Mannes, der so weit herumkam, eine willkommene Abwechslung. Dabei wurde die Weltpolitik (was „der Russ“ und „der Ami“ gerade wieder aufführten) ebenso besprochen wie die neuesten Absichten der Bundesregierung („Was kann von Wean a schon G’scheits kommen?“). Auch Interessantes aus den Nachbarorten wusste der Händler zu erzählen, etwa das man den Wirts Sepp schon wieder beim Wildern erwischt hat („Diesmal wird der nimmer so billig davonkommen.“), dass ein Bürgermeister irgendwo „den Krempel hing’schmissn“ hat oder sich irgendwelche Advokaten an einen Grundstreit „deppert verdienen“. Unter vier Augen kamen manchmal auch delikatere Themen zur Sprache. Etwa wenn der Händler fragte: „Du, dei Bua geht ja schon auf’n Dreißger zua. Hat er schon oani?“ Wurde dann vielleicht seufzend erwidert, dass sich leider die „Richtige“ noch nicht gefunden habe, so konnte der Gast nützliche Tipps geben. Er wusste nicht nur die Namen möglicher Heiratskandidatinnen, sondern auch, was sie „mitkriegen“ und, als untrüglicher Gradmesser für ihren Wohlstand, wie viele Kühe dort im Stall stünden. Ganz uneigennützig waren derlei Hilfeleistungen natürlich nicht. Was erklärt, dass manchmal bei Hochzeiten am Brauttisch mitten unter Verwandten, Godnleuten und dem Pfarrer – auch der Viehhändler saß.

Das ist auch ein interessanter und durchaus amüsanter Teil der Großarltaler und Salzburger Geschichte. Danke, dass wir das wiedergeben durften an RR. Arno Müller, an den Pustet Verlag und an Maria Eder (Bild).

Zum Bestellformular für den Bauernkalender 2011 (hier klicken).

Ausg’schamte Hund gegen o’drahte Gauner
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2 Antworten auf Ausg’schamte Hund gegen o’drahte Gauner

  • Der Bauernstand ist einer der wenigen Berufsgruppen, wo der Handschlag auch heute noch zählt!

  • Fesche Geschichte owa mia miasatn ba ins eia ameu die gonzn Non iwa 30 zomsuachn und verkupin! :):):)
    P.S: Gibt es genug!!

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