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Erste Hilfe am Berg

Erste Hilfe am Berg war bis jetzt für mich zwar im Hinterkopf, aber doch nicht so wichtig. Letzte Woche hingegen ist auf dem Weg zum Filzmooshörndl der Hubschrauber gekommen. Daher ist es wohl höchste Zeit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen – was man machen sollte, wenn man selber in eine solche Situation kommt. Denn obwohl man einige Grundregeln sowiewo beachtet, kann in den Bergen immer etwas passieren. Egal, ab beim Wandern oder beim Skitouren gehen, ob im Sommer oder Winter. Ein Sturz, eine Lawine oder Herzinfarkt. Im Ernstfall sollte man also gerüstet sein.

Ruhe bewahren

Passiert in den Bergen etwas, heißt es auf jeden Fall Ruhe bewahren. Denn in Stresssituationen werden oftmals Fehlentscheidungen getroffen. Versuchen Sie nicht in Panik zu geraten, denn nur dann können Sie effizient helfen. Rufen Sie sich die Vorgehensweise, wie Sie Erste Hilfe leisten ins Gedächtnis, bevor Sie starten.

Überblick verschaffen

Versuchen Sie sich einen Überblick von der Situation zu verschaffen. Sind noch weitere Gefahren vorhanden? Ist der Verletzte in der Gefahrenzone? Dabei gilt, dass die eigene Sicherheit an oberster Stelle steht. Es ist niemanden geholfen, wenn Sie sich selber in Gefahr bringen. Befindet sich der Verletzte in einer Gefahrenzone wird diese entweder abgesichert oder der Verunfallte wird aus der Gefahrenzone gebracht.

Notruf absetzen

Dann rasch einen Notruf absetzen.

  • Europaweiter Notruf: 112
  • Bergrettung: 140

Beginnen Sie dabei immer mit den wichtigsten Informationen:

  • Wo ist der Unfallort? (Ortsbeschreibung, Höhenangabe, GPS-Koordinaten…)
  • Was ist passiert? (Sturz, Lawine…)
  • Wer spricht? (Name und Telefonnummer)
  • Wann ist es passiert?
  • Wie viele Personen sind verletzt?
  • Informationen über Wetterverhältniss (Wind, Geländeneigungen, Hindernisse, Sicht…)

Folgen Sie während des Gespräches den Anweisungen der Leitstelle und beantworten Sie alle Fragen. Wichtig: Das Gespräch wird von der Leitstelle beendet. Lassen Sie Ihr Handy eingeschaltet, um gegebenfalls erreichbar zu sein.

Sind Sie allerdings alleine mit dem Verletzten oder eine rasche Verständigung ist aufgrund von schlechtem Handyempfang oder Wetterbedingungen nicht möglich, beginnen Sie mit der Erstversorgung des Verletzten und setzen erst danach einen Notruf ab.

Erste Hilfe leisten

Bis die Rettungskräfte eintreffen, soll der Zustand der verletzten Person möglichst stabil gehalten werden. Folgende Abbildung zeigt die wichtigsten Erste Hilfe Maßnahmen:

Erste Hilfe am Berg - Handeln in alpinen Notsituationen

Erste Hilfe am Berg – Handeln in alpinen Notsituationen

  • Bewusstseinskontrolle: Reagiert der Verletzte auf Ansprechen, Berühren oder dosierten Schmerzreiz, ist dieser bei Bewusstsein. Dann kann mit weiteren Maßnahmen wie z. B. entsprechender Lagerung, Blutstillung oder Schienung geholfen werden. Ist der Verletzte jedoch ohne Bewusstsein, wird in weiterer Folge die Atmung kontrolliert.
  • Atemkontrolle: Überstrecken Sie dazu den Kopf vorsichtig nackenwärts. Heben Sie die Zunge des Notfallpatienten an und machen Sie die Atemwege frei. Dabei legen Sie eine Hand auf die Stirn des Verletzten, mit der anderen Hand fassen Sie das Kinn und heben dieses leicht an. Richten Sie Ihre Augen auf den Brustkorb des Verletzten und gehen Sie mit Wange und Ohr ganz nah an den Mund des Patienten. Sie sollten dabei die Atmung hören bzw. spüren sowie sehen, ob sich der Brustkorb hebt. Die Atemkontrolle sollte nicht länger als 10 Sekunden dauern. Ist die Atmung vorhanden, spricht man von Bewusstlosikeit. Der Betroffene wird in die stabile Seitenlage gebracht. Lassen Sie einen bewusstlosen Notfallpatienten nie alleine und unbeobachtet und kontrollieren Sie die Atmung sowie Kreislaufanzeichen laufend.
  • Stabile Seitenlage: Legen Sie den näherliegenden Arm des Bewusstlosen im rechten Winkel weg vom Körper. Ziehen Sie das gegenüberliegende Knie hoch und legen Sie das Handgelenkt des anderen Armes darauf. Drehen Sie anschließend den Patient vorsichtig zu Ihnen. Überstrecken Sie den Kopf vorsichtig und öffnen Sie achtsam den Mund, damit Blut, Speichel oder Erbrochnes aus dem Mund rinnen können.
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung: Wird bei der Atemkontrolle keine normale Atmung festgestellt (=Kreislaufstillstand), ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis 30:2 bis zum Eintreffen des Notarztes notwendig. Die Frequenz sollte dabei bei mindestens 100 pro Minute liegen. Also, den Ballen einer Hand in die Mitte des Brustkorbes platzieren, die zweite darüber legen und die Finger verschränken. Die Drucktiefe soll ca. 5-6 cm betragen. Drücken Sie kräftig und schnell (30 Mal). Danach beatmen Sie 2 Mal. Verschließen Sie dabei mit einer Hand die Nase des Patienten und halten Sie mit der anderen Hand den Kopf am Kinn in überstreckter Position fest – so können die Atemwege des Verletzten frei bleiben. Eine Beatmung dauert ca. 1 Sekunde. Dies wird ohne Unterbrechung forgesetzt, bis der Betroffende wieder normal zu atmen beginnt, der Notarzt eintrifft oder der Ersthelfer abgelöst wird.

Verhalten bei einer Hubschrauberbergung

Auch bei der Hubschrauberbergung gibt es einige Regeln zu beachten. Je besser die Informationen über Wetter- und Geländeverhältnisse sind, desto besser. Der Pilot entscheidet aufgrund von Sichtbedingungen, Wind, Seehöhe, Wolkengrenze und Hindernisse, ob der Rettungsflug stattfindet oder eben nicht.

Damit die Unfallstelle besser gefunden wird, sollten Sie sich an einen gut sichtbaren Geländepunkt (z. B. Kuppe) stellen und mit einem gut sichtbaren Kleidungsstück winken. Wenn der Hubschrauber durch klare Annäherungen oder Kreisen über der Unfallstelle Kontakt zeigt, wird mit einem „Yes“- oder „No“-Zeichen signalisiert, ob Hilfe gebraucht wird. Yes = beide Hände nach oben und ein Y bilden. No = rechte Hand nach oben, linke Hand nach unten und so ein N bilden.

Der Landeplatz des Hubschraubers ist absoltuter Gefahrenbereich. Lose Gegenstände sollen Sie schon vorher entfernen.

 

Sicher absteigen

Ist der Verletzte geborgen, gönnen Sie sich selber ein wenig Zeit. Steigen oder fahren Sie erst dann ab, wenn Ihre Konzentration wieder zurück ist.

 

Gott sei Dank war es letzte Woche wohl „nur“ ein gebrochenes Bein – das ich von sicherer Entfernung beobachtet habe. Aber immerhin hat es mich zum Nachdenken gebracht, was im Ernstfall zu erledigen ist und wie Erste Hilfe geleistet werden kann…

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Eine Antwort auf Erste Hilfe am Berg

  • Hallo Barbara,
    du hast ja so recht! Wenn ich jetzt im Nachhinein so darüber nachdenke, wie oft sehe ich bei meinen Touren den Helikopter oder höre in zumindest. Jeder sollte in der Lage sein die ersten Notfallmaßnahmen zu ergreifen, aber sind wir doch mal ehrlich, wie sieht’s den mit den Erste Hilfe Kenntnissen bei jedem aus? Meist nicht so toll, oder? Die Zusammenfassung finde ich gut und jeder sollte mal darüber nachdenken. Was nützt dir dein erstes Hilfe Packerl im Rucksack wenn du nicht fähig bist mit der Situation um zu gehen?
    Servus aus dem Nürnberger Land
    Oli

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